ENG - Elektroneurographie


ENG ist die Abkürzung für „Elektroneurographie“.

Nerven leiten Strom, ähnlich wie ein Kabel.
Setzt man einen Stromimpuls in der Nähe eines Nerven, beispielsweise an der darüber liegenden Haut, so wird eine elektrische Entladung im Nerven ausgelöst, die sich fortlaufend mit einer gewissen Geschwindigkeit und Stärke ausbreitet.
Die Nervenleitgeschwindigkeit liegt etwa im Bereich des Ellennerven bei 50 Meter pro Sekunde, das sind 180 km/h (!).
Bei gewissen Erkrankungen (z.B. Polyneuropathien) ist die Nervenleitgeschwindigkeit vermindert. Bei anderen Störungen (z.B. Carpaltunnelsyndrom - CTS) ist sie nur im Bereich einer kürzeren Strecke (Im Falle des CTS unter dem Querband, das die Beugesehen im Handgelenksbereich fixiert) herabgesetzt.


Wie funktioniert ein ENG?

Ein zu messender motorischer Nerv (das ist ein Nerv, der für einen Muskel zuständig ist, also eine Bewegung steuert), wird an einer Stelle mit einem schwachen elektrischen Impuls gereizt.
Der Reiz breitet sich als Entladung im Nerven aus, bis der Zielmuskel erregt wird (sichtbar in Form einer kurzen Zuckung).
Die elektrische Entladung wird mit einer an der Haut über dem Muskel aufgebrachten Plättchen-Elektrode abgeleitet und über einen Computer am Bildschirm sichtbar gemacht.
Wird der Nerv an verschiedenen Stellen gereizt, kann über die Unterschiede der gemessenen Wegzeiten die Nervenleitgeschwindigkeit errechnet werden.



Ein sensibler Nerv, das ist ein Nerv, der Gefühlsempfindungen beispielsweise aus der Haut bis zum Rückenmark leitet, wird in gleicher Art getestet.
Die Elektrode wird über der Haut aufgebracht, der Nerv gereizt – die Entladung breitet sich aus und wird schließlich von der Elektrode aufgezeichnet.

Die Untersuchung ist an sich nicht schmerzhaft, individuell ist die Empfindlichkeit gegenüber, wenn auch schwachen, Stromimpulsen sehr unterschiedlich. Nicht wenige meiner Patienten sagen, es fühle sich an wie ein "Holta-Bua" (oststeirisch für "elektrischer Weidezaun").